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Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie

Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie

Durch die Entwicklung neuer Arzneimittel ist es möglich, dass die moderne Chemotherapie bei weitem nicht mehr so stark mit Nebenwirkungen wie Erbrechen und Übelkeit belastet ist, wie sie es noch vor 10 oder 15 Jahren war. Einereseits gibt es neuere Zytostatika zur Krebsbehandlung und andererseits bessere Medikamente gegen die Übelkeit und das Erbrechen.


Warum kann es bei einer Chemotherapie zum Erbrechen kommen?

  • Zu Erbrechen kommt es durch das  Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Organen, Muskeln und Nerven. Im Gehirn befindet sich ein sogenanntes „Brechzentrum“, das den gesamten Vorgang koordiniert. Messfühler im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn registrieren, wenn ein Giftstoff in den Körper gelangt ist. Sie senden Botenstoffe aus, sogenannte Neurotransmitter, die dem Brechzentrum den Befehl zum Erbrechen übermitteln. Zwei wichtige Neurotransmitter sind Serotonin und Substanz P. Der menschliche Organismus erkennt die zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) als vermeintliche Giftstoffe und versucht, sie durch Erbrechen wieder auszuscheiden.

Welche Formen des Erbrechens können als Folge einer Chemotherapie auftreten?

  • Man weiß heute, dass beim Erbrechen als Folge einer Chemotherapie verschiedene Vorgänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten ablaufen.
  • Verschiedene Botenstoffe spielen dabei je nach Zeitpunkt eine tragende Rolle. Man unterscheidet:
    • Akutes Erbrechen: innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Chemotherapie
    • Verzögertes Erbrechen: später als 24 Stunden nach der Chemotherapie
    • Antizipatorisches Erbrechen: psychisch bedingtes, erlerntes Erbrechen schon vor der Chemotherapie
  • Alle Formen können sowohl gemeinsam als auch isoliert vorkommen.

Welche Faktoren beeinflussen ein mögliches Erbrechen?

  • Den wichtigsten Einfluss haben die Medikamente (Zytostatika), die für die Chemotherapie verwendet werden.
  • Für jede Tumorerkrankung gibt es spezielle Medikamente, die besonders gut wirksam sind und die häufig auch miteinander kombiniert werden.
  • Zytostatika können in ganz unterschiedlichem Ausmaß Erbrechen auslösen.
  • Es gibt Medikamente, die immer zu Übelkeit und Erbrechen führen und andere, bei denen diese Nebenwirkungen gar nicht auftreten.
  • Übelkeit und Erbrechen sind auch davon abhängig, ob die Chemotherapie aus einem Medikament besteht oder aus mehreren, und auch davon, in welcher Dosierung die einzelnen Medikamente gegeben werden.
  • Einen Einfluss kann auch die Häufigkeit der Gabe der Chemotherapie besitzen oder die Anwendung als Infusion oder Tablette.
  • Neben der Art der Chemotherapie und ihrer Dosierung bestimmen auch andere Faktoren, ob und wie stark Übelkeit und Erbrechen auftreten. So haben manche Menschen ein höheres Risiko, mit Übelkeit und Erbrechen auf eine Chemotherapie zu reagieren als andere. Eher gefährdet sind junge Menschen (unter 50 Jahren), sowie Frauen und Patienten, die schon bei einer früheren Chemotherapie mit diesen Nebenwirkungen zu kämpfen hatten. Kinder haben ein besonders hohes Brechrisiko. Außerdem beeinflusst die persönliche Veranlagung, eine Anfälligkeit für die Reisekrankheit oder frühere intensive Schwangerschaftsübelkeit die Reaktion auf die Chemotherapie.
  • Nicht zuletzt kann die innere Einstellung zur Chemotherapie das Brechrisiko beeinflussen. So können eine innere Abwehrhaltung, fehlendes Vertrauen in die Ärzte, Nervosität und Angst zur Entstehung von Übelkeit beitragen. Sicher kennt jeder den Satz, dass „es einem vor Angst schlecht wird“.

Welche Vorbeugemaßnahmen helfen?

  • Bei der Planung der Behandlung kann der Arzt abschätzen, wie hoch das Risiko von Erbrechen bei der Chemotherapie ist. Es kann Aufgrund des Risikos dann das oder die geeigneten Medikamente gegen Erbrechen auswählen.
  • Einen Baustein der Behandlung bilden Serotonin-Rezeptor-Antagonisten. Sie blockieren die Serotonin-Rezeptoren, die als Botenstoff bei der Auslösung des Brechreflexes eine wichtige Rolle spielen. Serotonin-Rezeptor-Antagonisten wirken besonders gut gegen die Übelkeit und das Erbrechen am Tag der Chemotherapie.
  • Eine weitere wichtige Klasse von Medikamenten sind die sogenannten Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten. Sie blockieren die Wirkung des Neurotransmitters Substanz P und wirken am Tag der Chemotherapie und an den Folgetagen.
  • Steroide wiederum verstärken in Kombination mit anderen Antiemetika deren Wirkung.Durch seine Verhaltensweise kann außerdem jeder selbst dazu beitragen, Übelkeit und Erbrechen bei der Chemotherapie zu verringern.
  • Folgende Verhaltensweisen sollte man während einer Chemotherapie besser meiden:
    • Stress
    • Rauchen
    • Alkohol
    • Starker Gewichtsverlust
  • Ebenfalls sollte man vermeiden:
    • Immer dasselbe zu essen. Irgendwann schmeckt sogar die Lieblingsspeise nicht mehr. Man sollte also vermeiden, diese Lieblingsspeisen während der Therapie zu essen. Esbesteht die Gefahr der Gewöhnung, die zu antizipatorischen Erbrechen führen kann.
    • Essen oder trinken, wenn einem richtig übel ist oder man gerade erbrochen hat. Patienten sollten vier bis sechs Stunden warten, bevor sie nach heftigem Erbrechen wieder feste Nahrung zu sich nehmen.
    • Keine geruchsintensiven Speisen oder Getränke nach der Chemotherapie zubereiten.
    • Stark gewürzte Speisen oder Getränke zu sich nehmen.
    • Zu wenig trinken - führt zusätzlich zum Erbrechen zu Komplikationen wie Blutdruckabfall, Kreislaufschwächen, Austrocknung u. a.
    • Mit vollem Magen Sport treiben.
  • Leistungssport sollte während der Chemotherapie vermieden werden.
  • Süßlich stark duftende Parfüme und Körperpflegemittel sollten nicht verwendet werden.

Heute gibt es sehr gute Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, die vor möglichen Folgen einer Chemotherapie schützen. Ärzte kennen das Risiko dieser Nebenwirkungen für die einzelnen Chemotherapien und stimmen vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung von Übelkeit und Erbrechen individuell auf das persönliche Risikoprofil des Patienten ab.

Stand: 08.2010

Publikationsdatum:   17.12.10
Datum geändert:  15.06.11
 
 

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Axel Kuchem

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