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Knochenmarkspenden helfen Leben retten

Knochenmarkspenden helfen Leben retten

Jährlich erkranken in Deutschland über 10.000 Menschen an Blutkrebs oder Krebs des Immunsystems. Einem Teil dieser Menschen kann durch Chemo- und Strahlentherapie geholfen werden. Viele sind aber nach wie vor auf die Übertragung gesunder Blutstammzellen angewiesen. Die Blutstammzellen für eine Transplantation müssen von einem gesunden Spender zur Verfügung gestellt werden.


Wofür werden Blutstammzellen benötigt?

  • Blutstammzellen finden sich im Knochenmark. Hier entstehen die lebenswichtigen weißen und roten Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Ist dieser Vorgang gestört, entstehen unreife und funktionsuntüchtige Blutkörperchen. Man spricht dann von einer Leukämie oder Blutkrebs.
  • In dieser Situation ist für viele Patienten die Übertragung gesunder Blutstammzellen (umgangssprachlich: Knochenmarkstransplantation) die einzige Hoffnung auf Heilung ihrer Erkrankung.

Wer kann Knochenmark spenden?

  • Voraussetzung für eine Knochenmarkspende bzw. der Spende von Blutstammzellen ist, dass bestimmte Eigenschaften des Empfängers, die sogenannten Gewebemerkmale, möglichst genau mit denen des Spenders übereinstimmen.
  • Bei etwa einem Drittel der Leukämiepatienten findet man einen nahen Verwandten als geeigneten Spender. Bei zwei Dritteln der Patienten muss allerdings nach einem nicht verwandten Fremdspender gesucht werden. Die große Vielfalt der menschlichen Gewebemerkmale macht diese Suche sehr schwierig. Daher ist es wichtig, möglichst viele spendewillige Personen zu finden.
  • In Deutschland sind alle potenziellen Spender – das sind zurzeit mehr als 3,2 Millionen – in einer zentralen Spenderdatei registriert, dem Zentralen Knochenmarkspenderegister für Deutschland (ZKRD) in Ulm.
  • Knochenmark oder Blutstammzellen kann jede gesunde Person zwischen 18 und 55 Jahren spenden. Erkrankungen, die eine Knochenmarkspende ausschließen sind beispielsweise Krebserkrankungen, Bluterkrankungen, AIDS oder Hepatitis, Tuberkulose, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Nierenerkrankungen, Diabetes oder Epilepsie.

Wie wird man Spender?

  • Wer Spender werden möchte, kann an einer lokalen Aktion zur Spendergewinnung teilnehmen, einen Aufruf findet man oft in der Lokalzeitung oder in größeren Betrieben.
  • Man kann auch die nötigen Informationen bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) anfordern, einer Einrichtung, die Typisierungsaktionen durchführt. Man kann die Registrierung sogar per Post vornehmen. Nötig ist nur das Ausfüllen eines Formulars und die Abgabe einer Blut- oder Speichelprobe. Es werden entweder etwa 10 Milliliter Blut abgenommen, also gerade mal ein halbes Schnapsglas voll, oder mit einem Wattestäbchen wird eine Speichelprobe genommen, um die Gewebemerkmale zu bestimmen.
  • Die Informationen werden beim Zentralen Knochenmarkspenderregister (ZKRD) vertraulich gespeichert. Wird ein Patient gemeldet, so werden die Daten aus der Spenderdatei mit den Patienten verglichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zweier Menschen übereinstimmen, reicht von 1:20.000 bis zu 1:mehreren Millionen. Ist ein potenzieller Spender gefunden, erfolgt die Kontaktaufnahme durch die Mitarbeiter des Registers. Der Patient erhält keinerlei Informationen über den möglichen Spender.

Was geschieht dann?

  • Erst wenn man als potenzieller Spender für einen Patienten ausgewählt wurde, muss man sein endgültiges Einverständnis geben. Danach wird man zunächst durch einen Arzt gründlich untersucht, es wird geklärt ob der aktuelle Gesundheitszustand oder andere, z. B. private Gründe gegen eine Spende sprechen. Ist alles in Ordnung, kann die Entnahme der Stammzellen erfolgen. Dies kann auf zwei unterschiedlichen Wegen geschehen:
  • Die Entnahme von Stammzellen erfolgt in etwa 80 Prozent der Fälle aus dem peripheren, also dem fließenden Blut.
  • In selteneren Fällen ist die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm nötig.

Entnahme aus dem fließenden Blut

  • Vor der eigentlichen Entnahme wird dem Spender über fünf Tage mehrmals der Botenstoff G-CSF unter die Haut gespritzt. Dies kann beispielsweise durch den Hausarzt vorgenommen werden. G-CSF ist ein natürlicher körpereigener Stoff, der mittlerweile auch künstlich hergestellt werden kann. Er bewirkt, dass Stammzellen aus dem Knochenmark in das fließende Blut übertreten. Dies ist ein natürlicher Vorgang, der beispielsweise auch bei Infektionen abläuft.
  • Für die eigentliche Stammzellentnahme wird nun das Blut des Spenders aus einer Armvene in ein spezielles Gerät geleitet, den Zellseparator. Hier werden die Stammzellen vom Blut getrennt. Anschließend wird das Blut zurück in den Körper des Spenders geleitet. Das Verfahren dauert vier bis fünf Stunden und kann ambulant durchgeführt werden. Eventuell ist am folgenden Tag eine zweite Entnahme notwendig.

Knochenmarkentnahme

  • Die Knochenmarkentnahme wird weitaus seltener durchgeführt. Dafür werden dem Spender während einer Vollnarkose mit einer Punktionsnadel 0,5 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus einer kleinen Stelle am hinteren Beckenknochen entnommen. Das sind nur etwa 5 Prozent der im Körper befindlichen Menge.
  • Diese Blutmenge bildet sich beim Spender innerhalb weniger Wochen nach. Einige Wochen vor dem Eingriff sollte zur Sicherheit eine Eigenblutspende vorgenommen werden. Dieses Blut wird dem Spender dann während der Knochenmarkentnahme zugeführt.

 

Eine Knochenmark- oder Stammzellspende kann Leben retten. Sie kann jedoch nur erfolgen, wenn die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen. Jede gesunde Person im Alter von 18 bis 55 Jahren kann sich als möglicher Spender im Zentralen Knochenmarkspenderegister für Deutschland (ZKRD) registrieren lassen.

Publikationsdatum:   17.12.10
Datum geändert:  27.04.11
 
 

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Axel Kuchem

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